Suchen



Kontakt-Service

Kontakt-Service

Sie haben Fragen?

Sie haben Anregungen?



Was hat diese Kirsche mit dem Auge zu tun?

Die Schwarze Tollkirsche, Atropa Belladonna aus der Familie der Nachtschattengewächse, wird schon seit der Antike verwendet.

„Bella Donna“ wird die Pflanze genannt, weil die schönen Frauen im mittelalterlichen Italien dieser Art den Namen gaben; wussten sie doch die mydriatische (pupillenerweiternde) Wirkung des Pflanzensaftes kosmetisch ebenso zu schätzen wie die Damen der „Roaring Twenties“.

Weniger bekannt ist die Bedeutung des Gattungsnamens „Atropa“, welcher sich auf diejenige der drei Schicksalsgöttinnen (Moiren) der griechischen Mythologie bezieht, welche den Lebensfaden abschneidet; so heißt die Pflanze im Englischen „Deadly Nightshade“.

Im Mittelalter war die Tollkirsche wesentlicher Bestandteil von Hexensalben, und bei politischen Konflikten diente sie seit der Antike als „biologische Waffe“: man vergiftete die Speisen der Feinde, wozu zehn bis 20 Beeren ausreichten.

Das linksdrehende (S)-Hyoscyamin ist das Hauptalkaloid und somit Hauptwirkstoff der Tollkirsche. Sein Racemat heißt entsprechend der Gattung Atropin. Isoliert und „entdeckt“ wurde „Atropium“ 1819 von Apotheker Rudolph Brandes aus Bad Salzuflen.

In Augentropfen zu diagnostischen Zwecken wurde Atropin inzwischen weitgehend durch besser steuerbare und kürzer wirkende Wirkstoffe wie Tropicamid abgelöst; wenn aber therapeutisch eine länger dauernde Ruhigstellung von Pupille, Iris und/oder Ziliarkörper wie zum Beispiel bei Schielkindern, im Rahmen von Entzündungen oder auch bei Kataraktoperationen erforderlich ist, wird es heute noch therapeutisch eingesetzt.

Für neun verschiedene Atropinzubereitungen gibt es heute Standardzulassungen (§ 36 AMG); und in der Homöopathie wird Belladonna u. a. zur günstigen Beeinflussung vegetativer und psychischer Symptome eingesetzt.

Quellen: 

  • Giebelmann R, Logemann E. Kulturgeschichtliches zum Atropin. Toxichem und Krimtech 2004; 71(1): 32-37.
    Available from: http://www.gtfch.org/tk/tk71_1/Giebelmann1.pdf
  • Lang GK. Augenheilkunde. Stuttgart: Thieme; 2008.
  • DHU. Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe: 2010.
  • Buchholz CF, Brandes R. Katechismus der Apothekerkunst oder Grundzüge des pharmaceutischen Wissens: Physiko-chemischer Theil der Pharmacie.
    Available from: Google-Bücher (http://books.google.de), click here.
     

MedPharmTec - Ihr zuverlässiger Partner für: